and the song just keeps on repeating

/ August 10, 2018/ 0Kommentare

Köln-Mülheim, 28 Juli 19 Uhr – Aussentemperatur schätzungsweise noch locker 30° und ich stehe endlich vor dem Palladium. Einer herausgeputzten Industriehalle die für Kulturveranstaltungen zur Verfügung steht.

Meine Kulturveranstaltung ist „The ’59 Sound – 10th Anniversary Tour“, präsentiert von „The Gaslight Anthem“. Ja, genau dieses Gaslight Anthem die eigentlich seit 2015 in einer „unbestimmten Bandpause“ sind und die es vor nicht allzu langer Zeit geschafft haben mein Lieblingsalbum abzulösen.

Dieser Konzertabend wird mir ganz gewiss noch jahrelang in Erinnerung bleiben.
Wieso der so lange in Erinnerung bleiben wird hat drei Gründe:

  • stellenweise hatte ich eher das Gefühl ich wäre in einer Massentextilsauna mit beiläufigem Live-Konzert. Das die ausgeschwitzten und verdampften Körperflüssigkeiten nicht wieder von der Decke runter kamen war glück
  • noch nie waren Pre-Opener (Matthew Ryan) und Opening Act (Dave Hause) eine absolut perfekte Einstimmung in den Konzertabend
  • (und der wichtigste Punkt) sämtliche meiner favorisierten Songwünsche/-hoffnungen von The Gaslight Anthem wurden gespielt

DIE OPENER

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich eigentlich vom Pre-Opener gerne mehr gehört hätte wie vom Opening Act. Matthew Ryan hat 7 Songs abgeliefert die meinen Musikgeschmack einfach zu 100% getroffen haben. Und er hat es geschafft das Publikum zum mitmachen zu bringen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder der gerne Alternative Rock hört bei Matthew Ryan mehr als einen richtig guten Song finden wird. Am einfachsten wird es sein, wenn ihr euch durch die Setlist aus Köln hört. Ich persönlich finde, dass jeder Song was hat. Wobei ich aber auch dazu sagen muss, dass es Live besser anzuhören war.
Auf meiner Vinyl Wunsch-/zu kaufen-Liste ist er mittlerweile ganz weit oben positioniert.

Den Opening Act Dave Hause kannte ich schon vom Brian Fallon Konzert in Nürnberg und freute mich auf den sympathischen Amerikaner, der selbst nur mit seiner Akkustik-Gitarre, von seinem Bruder auf diversen Instrumenten begleitet, seinen Folk-, Alternative- Americana-, Heartland-Rock über 45 Minuten zum besten gab.
Was ich nicht wusste, ist das Dave Hause schon diverse Male mit Brian Fallon bzw. der kompletten The Gaslight Anthem Band getourt hatte. Demnach waren ziemlich viele Konzertbesucher Textsicher und sangen mit, was wiederum Dave House ein ziemlich breites lächeln ins Gesicht zog. Auch das war etwas fast schon einmaliges. Ich glaube nicht, dass ich ausser bei Noel Gallagher als Opener für U2 ähnlich viele Menschen beim Opener mitsingen gehört habe – und bei Noel waren es nur die Oasis Songs die jeder kannte.
Am einfachsten ist, ihr macht euch selbst ein Bild von Dave Hause und hört mal in seine Setlist vom Konzert in Köln rein.

THE GASLIGHT ANTHEM

Seit der Joshua Tree Anniversary Tour weiss ich wie besonders so ein Abend sein kann der einem bestimmten Album gewidmet ist. Seither weiss ich auch wie schwierig es sein kann darüber zu berichten und ich weiss auch was so ein ganz besonderer Abend bei mir auslösen kann und wie lange ich benötige ihn zu verarbeiten bzw. wie lange ich davon zehren kann.

Nun ist es aber so, dass im Gegensatz zum The Joshua Tree Album das „The ’59 Sound“ nicht mein Lieblingsalbum der Band ist. Eigentlich ist sogar das Gegenteil der Fall. Von den 5 The Gaslight Anthem Alben ist dass das Album, dass mir am wenigsten zusagt. Da es aber möglicherweise meine einzige Chance ist die vier Typen aus New Brunswick live zu erleben musste ich die Songs von der The 59 Sound „ertragen“. Meine größte Hoffnung war, dass ich wenigstens einen meiner, wenn nicht sogar DEN, The Gaslight Anthem Lieblingssongs zu hören bekommen.

Da es nicht das erste Konzert war gab es schon einige Setlists und diese deuteten darauf hin, dass ich alle drei Songs auf die ich hoffte zu hören bekomme. Die Setlist war dann ziemlich ähnlich wie bei der Joshua Tree aufgebaut. Ein paar Songs zur Einstimmung, dann alle ’59 Sound Songs in ihrer LP Reihenfolge und dann nochmal ein ganzer Schwung Songs von allen anderen Alben.

Nun zum Konzert selbst: ich habe eine Band erlebt, die 26 Songs lang so schlecht wie möglich beleuchtet war. Oder anders ausgedrückt ständig im Schatten stand.


Irgendwie fand ich das leicht komisch, weil man kaum Gesichtszüge/Mimiken/Reaktionen der vier erkennen konnte; andererseits war es total genial. Die Band stellte die Menschen hinter der Musik in den Schatten und damit die Musik in den Mittelpunkt. Und genau um das geht es doch eigentlich. Um die Musik!

Auch eine etwas neue Erfahrung war wie ausgelassen Musik zelebriert wurde. War ich bei den Foo Fighters schon erstaunt wie 80000 Menschen ausflippen können, ist es umso erstaunlicher wenn das 5000 noch extremen machen.
Teilweise haben die Leute so extrem laut mitgesungen, dass man kaum noch mitbekam ob Brian singt oder das Publikum. Und selbstverständlich gab es bei den Punk-Rock-Songs auch den ein oder anderen Moshpit – glücklicherweise sah ich das nur aus weiter ferne.

BUT HAVE YOU SEEN MY HEART

Es gibt so Momente, da schiesst mir Freudenpippi in die Augen. Das waren zum Beispiel der zweite Abend im Madison Square Garden als U2 One gespielt haben; Don’t Look Back in Anger von Noel Gallagher in Manchester; als der Joshua Tree in Paris angefangen hat zu funkeln und die ersten Töne zu Where The Streets Have No Name ertönten; Red Hill Mining Town beim selben Konzertabend. Aber selbst U2 hat das damals in Paris nicht geschafft mir so eine extreme Gänsehaut so machen wie ich mit dem ersten Song an diesem Abend in Köln bekommen habe. Und ich zitiere mich vom Joshua Tree Konzert mal selbst:

Gänsehaut und Freudentränen können nicht mal ansatzweise beschreiben was das in mir ausgelöst hat. Man sagt ja „Musik kommt an Stellen da kommen Hände nicht hin“ und das ging so viel weiter.

Da kommen die Jungs auf die Bühne und legen los mit Handwritten – dem ersten der drei Songs auf die ich so sehr gehofft habe. Spielen dann das etwas langsamere Old Haunts direkt gefolgt von The Spirit of Jazz.  Und dann wieder Tempo raus und der zweite Song aus meiner Wunschliste.  gespielt. Glaubt mir es ist eine Sache, wenn zigtausend U2 Fans One singen oder ein paar Tausend weniger Don’t Look Back in Anger von Oasis, aber wenn 4-5 tausend Konzertbesucher sich zu MAE einstimmen ist das einfach nur noch unbeschreiblich.

Nach diesen 4 Songs durfte ich dann mehr oder weniger eine 12-Song andauernde Pause einlegen und habe mich voll und ganz aufs transpirieren konzentriert ;) Die danach folgenden 10 Songs waren dann aber wie für mich persönlich zusammen gestellt.

Angefangen mit der Tourpremiere von Mullholland Drive und weiter mit Boomboxes And Dictonaries gefolgt vom mittlerweile vierten Song von der Handwritten LP Blue Dahlia und dann zum besten Song der neuesten Gaslight Anthem Platte Get Hurt.

Und dann endlich; endlich, endlich, endlich kam der Song auf den ich so lang gewartet habe. Der Song dessen Cover meinen Unterarm ziert, der Song der Yellow und Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me auf die anderen Treppchenplätze der Lieblingssongs verweist. Der Song der Wochenlang auf repeat lief.
The Gaslight Anthem spielten 45

Das krasse war und ist noch immer, dass ich diesen Song gar nicht so richtig mitbekommen habe. Ich kann mich auch jetzt kaum noch daran erinnern ob ich mitgesungen habe oder getanzt oder geklatscht oder was weiss ich was. In mir ist seither einfach nur so ein Gefühl, dass es eines der besten Dinge war die ich in meinem Leben jemals erlebt habe.

Wahrscheinlich ist mir auch deshalb nach diesem Song das restliche Konzert schon fast egal geworden. Ich habe alles das bekommen was ich wollte. Die letzten Songs habe ich deshalb (und um herunter zu kommen) ausm Foyer mitgehört.
Trotzdem war es natürlich extrem geil, dass direkt nach 45 der nächste Handwritten Song, namentlich Howl, gespielt wurde und das danach mit 1930 endlich der Zweite Sink or Swim Song kam hat mich auch sehr sehr gefreut. Dass das Handwritten Album aber nochmal einen Song gespielt bekommt hätte ich nicht erwartet. Mit National Anthem waren es am Ende dann 7 der 14 Songs meiner Lieblingsplatte. Und dafür hat sich der Weg nach Köln 1000 mal gelohnt!.

Den Konzertabschluss machten dann We’re Getting A Divorce, You Keep The Dinner und zu guter letzt American Slang wozu Dave House nochmal mit auf die Bühne kam.

Ich befürchte ja, dass es mit 45 wie mit Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me sein wird. Wahrscheinlich habe ich den Song nur ein einziges Mal in meinem Leben live gehört und werde für immer daran zehren müssen.
Sicher ist aber, dass ich so lange ich auf Konzerte gehen kann an The Gaslight Anthem Konzerte gehen werde – immer in der Hoffnung noch einmal 45 zu hören.

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