Birdy – gesanglich gehts kaum besser

/ Mai 8, 2016

Es gibt Konzerte da geht man hin weil es die Lieblingsband ist, Konzerte bei denen einen die Songtexte der Künstler begeistern, Konzerte bei denen man was neues Kennenlernen will und dann gibt es noch Konzerte zu denen man wegen der Stimme des Künstlers geht.

Der Besuch bei Birdy im Volkshaus in Zürich ist für mich ein Konzertbesuch aus der letzten Kategorie. Die 19jährige Britin bringt schon auf den Studioalben eine Stimme daher, die schon so manches Mal für eine Gänsehaut gesorgt hat. Und mit nicht weniger Erwartungen ging es also zum fünften Konzert in fünf Monaten.

Das Volkshaus kenne ich ja bereits vom Frank Turner Konzert Anfang des Jahres und auch dieses Mal sollte es ein ganz besonderes Konzert werden.

Dan Owen eröffnete als Support Act den Konzertabend. Wieder ein Künstler der nur mit Gitarre und Stimme zu überzeugen versucht und der es schafft! Ein unscheinbarer Typ auf der Bühne aber wenn er singt kommt eine Stimme hervor die so viel mehr ist (ähnlich wie bei George Ezra). Dan Owen ist einer der Künstler dem man gerne länger als die knappe halbe Stunde als Support Act zuhören würde.

Dan Owen im Volkshaus

Eine halbe Stunde nach Dan Owens Abgang kommt endlich diese kleine, zierliche Frau begleitet von ihrer Band auf die Bühne setzt sich an ihr Klavier und präsentiert zu Beginn mit Growing Pain erst einmal welches Spektrum sie mit Ihrer Stimme erfüllen kann. Einziger kleiner nervender Punkt, der sich leider auch durch das komplette Konzert zieht, ist ihre Backgroundsängerin, welche die hohen Töne von Birdy jedes Mal übersteuert.
Wer sich die Alben von Birdy schon das ein oder andere Mal angehört hat weiß auch, dass man kein Konzert erwarten darf bei dem großartig mitgetanzt und gesungen wird. Es sind Songs die zum mitwippen und genießen geschrieben sind und genau so präsentiert werden. Besonders toll finde ich übrigens, dass Birdy mehrheitlich nur Songs von ihrem neuen Album gespielt und die etwas bekannteren Coversongs zum richtigen Punkt dazwischen gesetzt hat.

Es benötigt manchmal nicht mehr als eine astreine Stimme und ein Klavier und nach acht Songs, kommt dieses erste kleine Highlight dann auch: Birdy spielt alleine mit ihrem Klavier auf der Bühne Shelter.
Das einzige was man hier noch machen muss ist die Augen zu schließen und alle Sinne auf die Musik zu konzentrieren und zu genießen.

Vor/Nach den Songs erlebt man eine sehr zurückhaltende Künstlerin. Den Applaus quitiert Birdy mit einem Teils schüchternen, zurückhaltenden „Thank you“ oder „Danke“. Selten kündigt Sie einen Song an und eigentlich nie erzählt sie etwas über sich, oder über einen Song.
Irgendwie schade, gerne würde man etwas mehr erfahren. Andererseits bin ich froh, dass sie nicht wie Bono zu jedem Song etwas zu erzählen weiß ;)

Ich weiß nicht wie es anderen Konzertgängern geht, aber ich habe bei fast jedem Künstler so den einen Song auf den ich hoffe, dass er gespielt wird. Den einen Song der mir Pipi in die Augen treibt, der den ganzen Körper mit Gänsehaut überzieht, der einen bewegt.
Bei U2 ist es Hold me, thrill me, kiss me, kill me; Coldplay schafft das mit Yellow und Birdy mit Wings. Und auch hier hat mich Birdy nicht enttäuscht. Wings ist meiner Meinung nach der zweitstärkste Song des Abends.

Wieso nur der zweitstärkste? Nun, Birdy hat das Publikum mit einer Live-Premiere überrascht. Einem Duet mit Dan Owen.
Zusammen sangen die beiden Let it all go. Auf dem Album ist der Song mit dem Sänger Rhodes aufgenommen und erinnert an ein ausgewaschenes Broken Strings von Nelly Furtado/James Morrison.
Mit Dan Owen bekommt der Song aber einen komplett anderen, festeren klang. Und nicht nur ich war überrascht. Überall um mich rum wurde ein „wundervoll“ getuschelt und die Leute haben sich versucht die Gänsehaut von den armen zu streichen. Sowas habe ich bisher auch noch nie erlebt. Schade, dass es der einzige Song im Duett war und schade, dass man darauf bis zur Zugabe warten musste. Das Duett gibts auch bei YouTube, leider ist der Ton hier nur gerade so akzeptabel.

https://www.youtube.com/watch?v=S5kylWIP4yg

A pros pos Zugabe: dadurch, dass Birdy ihr Konzert nicht durch irgendwelches Blabla ausgeschmückt hat und beinahe pünktlich um 20:30 Uhr angefangen hat zu spielen war um kurz nach 10 auch schon wieder Schluss. In diese eineinhalb Stunden hat Birdy aber 22 Songs gepackt. Die komplette Setlist gibts wie immer bei setlist.fm
Beendet hat Birdy das Konzert übrigens allein mit Ihrem Klavier und dem einzigen Song den die Breite Masse wahrscheinlich kennen wird: Skinny Love

 

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