Placebo – eine wunderbare Enttäuschung

1999, ein Helikopterflug über einen Friedhof, die Skyline von Manhattan und der schwarze Jaguar Roadster. Untermalt von diesem unvergleichlichen Gitarrensound und dem Sänger der leicht näselt. Wer nicht weiß was ich meine: so startet der Film „Eiskalte Engel“ und mit ihm meine Faszination für diesen abartig starken Song „Every You Every Me“

Wahrscheinlich war das nicht nur für mich, sondern auch für viele andere, die erste Berührung mit den Alternative-Rock-Melancholieexperten aus London. Und da die Herren Molko und Olsdal gerade ihr 20jähriges bestehen feiern und ich mich 1999 in den Song Every Me, Every You wirklich verliebte wollte ich die Herren und den Song unbedingt live erleben.

Aber von vorne: als Opener hatten Placebo die Band The Joy Formidable mitgebracht. Eine dreiköpfige Indie-Rockband die mich bereits mit dem ersten Song begeisterte. Gerne hätten sie mehr als die fünf gespielten Songs spielen dürfen. Aber da Placebo mit 25 Songs und einem über zwei Stündigen Programm warteten war ich fürs erste gesättigt.

Leider, begann nach The Joy Formidable das was ich als wunderbare Enttäuschung betiteln möchte. Man wartet auf „Nancy Boy„, „36 Degrees„, „Jesus‘ Son„, „Slave To The Wage“ und vor allem auf „Every Me Every You„. Man bekommt das auch alles, muss sich aber durch einen teilweise sehr melancholischen und lustlos wirkenden Mittelteil durchkämpfen und das obwohl Molko das Publikum in erstaunlich guten Deutsch mit „Herzlich willkommen bei unserer Geburtstagsparty“ begrüßt und die Party dann ziemlich lange auf sich warten lässt.

Alles wirkte sehr einstudiert und wenn man andere Konzertberichte liest schreiben alle annähernd dasselbe:
Die Setlist wiederholt sich Abend für Abend und es gibt keinerlei Überraschungen.
Selbst die Schimpfereien über die Konzertmitfilmer, die sich so viel vom aktuellen Erlebnis kaputt machen und sich dann zu Hause über die miese Soundqualität aufregen, platziert Molko nicht nur in Zürich.
Auch das Zugeständnis, dass der Mittelteil der Songs sehr melancholisch war und man ja eigentlich eine Geburtstagsparty feiern möchte und jetzt endlich auch die Band bereit ist zu feiern liest man von diversen anderen Veranstaltungen.

Placebo

Nicht unerwähnt bleiben sollte die Hommage an Leonard Cohen, mit dessen „Who By Fire“ Placebo den Konzertabend gestartet hatte und auch die Hommage an David Bowie, dem Placebo sehr viel zu verdanken haben, fand ich wirklich gelungen. Zu „Without You I’m Nothing“ lief auf der Leinwand ein Video wo Placebo zusammen mit David Bowie im Studio zu sehen sind.

Und obwohl das alles ja richtig toll und gut war, war das Konzert durch ein Kleinigkeit für mich eine der größten Enttäuschungen. Die Enttäuschung begann noch bevor die Band auf der Bühne stand. Wie das geht? Ganz einfach, Placebo spielen den Song mit dem ich sie verbinde vom Band. Dazu läuft auf den Monitoren links und rechts von der Bühne ein Supercut aus 20 Jahren Placebo.

Wie kann man sowas machen? „Hey, wir haben da den einen Song den alle kennen und hier ist unser Mittelfinger denn wir spielen den Song nicht live“.
Ernsthaft, ich habe zwei Stunden lang gehofft, dass dieser Song zumindest irgendwo im Set noch auftaucht, aber NEIN. Als dann die Zugabe zu Ende ist und die Lichter im Hallenstadion trotzdem noch nicht an gehen keimt noch einmal etwas Hoffnung auf. Und tatsächlich betritt die Band für eine zweite Zugabe erneut die Bühne.
Und dann toppt die Band die Mittelfingergeste noch einmal. Sie beenden das Konzert statt mit „Every You Every Me“ mit dem Coversong „Running Up That Hill“.
Nie war ich enttäuschter aus dem Hallenstadion gegangen und nie mehr werde ich an ein Konzert von Placebo besuchen…

Die komplette Setlist gibt es hier

Placebo

 

Placebo

 

Placebo

 

Placebo

 

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