Coldplay – A Head Full Of Dreams Tour

Eintausenddreihundertneunundsechzig Tage

1369 Tage sind vergangen seit dem ich Coldplay das letzte Mal live erlebte. Auf den Tag 45 Monate in denen ich, sobald mein absoluter Lieblingssong „Yellow“ ertönt jedesmal eine Gänsehaut bekomme.
In den vergangenen fast vier Jahren hat Coldplay für meinen Geschmack ein ziemlich Mieses Album Ghost Stories und mit A Head Full Of Dreams ein richtig tolles Album auf den Markt geworfen. Ich war also richtig gespannt was Coldplay dieses Mal zu bieten hat.
Und mindestens ebenso war ich auf das Wetter gespannt. Vor vier Jahren wurden wir damals Stundenlang von oben dauerbeniesselt und meine größte Hoffnung war, dass ich an diesem Konzertabend in Zürich Coldplay im trockenen erleben werde. Die Chancen standen 50/50, dass die Regenwolken am Letzigrund vorbei ziehen.

Die Nachteile eines Open Air Konzerts

Die Nachteile eines Open Air liegen auf der Hand: es findet unter freiem Himmel statt. Was wiederum bedeutet, dass man dem Wetter ausgesetzt ist, die Musiklautstärke noch lauter ist, weil er sich sonst zu sehr verliert und last but not least es sind viel zu viele Menschen!
Gegen Wetter und Lautstärke hielten die meisten Veranstalter bisher eigentlich immer Gehörschutzstöpsel und bei hoher Regenwahrscheinlichkeit sogar Regenponchos bereit. Etwas, dass sogar das kleine Stimmen-Festival in Lörrach problemlos hin bekommt.
Wahrscheinlich war bei diesem Veranstalter der Praktikant für die Planung zuständig. Anders kann ich mir nicht vorstellen, wieso zwar auf den Monitoren über 100db Lautstärke gewarnt wurde, aber niemand Gehörschutz bereit stellte. Richtig nervig war aber, dass es keine Regenponchos gab. Nicht mal zum kaufen >:(

Was der Veranstalter total versaute machte die Band dann wieder ein bisschen gut. Es gab die schon von der letzten Tour bekannten Xylobands und einen Ansteck-Pin. Beide schützen zwar nicht vor Regen aber man hat eine tolle Erinnerung an das Konzert. Und die Xylobands sind ja auch ein leuchtender Part der Show, dazu aber später mehr.

Versorgt mit dem ersten Bier, hiess es dann ab 17 Uhr das Regenradar beobachten, die selbst mitgebrachten Regenponchos griffbereit halten und hoffen, dass die Regenwolken am Letzigrund vorbei ziehen.

Manchmal ist kein Opener die bessere Lösung

Ein Konzert beginnt für mich immer mit den Openern. Ich freue mich fast immer jemand (meistens) neues/unbekanntes zu hören und ganz oft war das auch der Auslöser, dass ich mir für diesen Opener Tickets holte wenn er mal als Main-Act unterwegs ist.
Aus diesem Grund bin ich auch immer schon sehr früh an den Veranstaltungsorten und steh dann manchmal bis zu drei Stunden rum. So lange die Opener sich anstrengen und versuchen das Publikum zu animieren und für den Main Act aufzuheizen ist es für mich zweitranging, ob mir die Musik gefällt. Aber wenn es so ist wie dieses Mal nervt mich das richtig.

Alessia Cara als Opener und Lianne La Havas als Main Support standen jeweils für knapp eine halbe Stunde auf der Bühne. Und beide haben richtig Lustlos ihre Songs heruntergespielt.
Der Hammer war aber die Eigendarstellung von Alessia Cara, die sich vor Ihrem Auftritt mit einem Einspieler als das Singwunder aus Kanada bezeichnete. Die schon in jeder Amerikanischen Talksendung einen Auftritt hatte und man sie ja überall her kennt.
Menschenskinder, wenn man sich so ankündigt, dann muss die Hütte brennen. Aber nein, darauf hatte Alessia Cara keine Lust. Europa scheint kein so interessanter Markt für sie zu sein.
Gleiches gilt wohl für Lianne La Havas, die in Südamerika wohl sehr erfolgreich mit Coldplay getourt hat. Aber im Letzigrund einfach keine Stimmung aufbauen konnte.

Let it rain, oh let it rain. Let it rain on me

Ja, wir wurden nass. Aber immer nur in Etappen die wenigstens nicht lange anhielten.
Kurz vor Alessia Cara entlud der Himmel das erste mal kühles Nass von oben. Bis ich dann meinen Poncho endlich ausgewickelt und übergezogen hatte, war der erste Spuk schon wieder vorbei.
Der Zweite, etwas intensivere Regenguss kam dann in der Umbaupause zwischen Alessia Cara und Lianne La Havas. Der hauchdünne Regenponcho hielt auf jeden Fall mehr ab als ich dachte.
Da aller guten Dinge drei sind, musste natürlich noch ein dritter Regenschauer auf uns herab fallen. Und waren die anderen beiden nur so kurze Schreckgespenter mit etwas stärkeren Regentropfen hielt der letzte Schauer über 20 Minuten an und es war auf jeden Fall sehr nass.

 

Darüber hinaus war der Zeitpunkt für den dritten Regenschauer dann doch etwas nervig. Die Roadies hatten sämtlichen Regenschutz vor Coldplays Auftritt entfernt und man war geneigt, den Roadies mehr zu vertrauen wie seiner Regenradar-App.
Als dann gegen kurz nach acht die ersten Regentropfen eine weitere Regenperiode ankündigten brach auf der Bühne etwas Hektik aus und innerhalb kürzester Zeit stand zumindest ein kleines Regenschutzzelt über dem Schlagzeug wieder. Währenddessen wurden die Regentropfen immer heftiger und mit dem Intro-Song „O mio babbino caro“ war  dann klar, dass auch dieses Coldplay Konzert sehr nass werden würde.

Erst mit dem vierten Coldplay Song hörte der Regen auf und eines ist sicher, dieser Konzertbeginn war der feuchteste jemals. Durch den anhaltenden Regen aber auch sicherlich einer der besten seit langem. So ein Starkregen hält nämlich die meisten Smartphones in den trockenen Taschen der Besitzer und das wiederum bedeutet, man muss nicht wie ein Bewegungslegastheniker herumstehen um ein vernünftiges Bild zu machen sondern kann tanzen, springen, feiern, whatever und damit die komplette Menge anstecken. So viel <3

You, the people, have the power to make this life free and beautiful, to make this life a wonderful adventure.

Bevor die Band die endlich die Bühne betrat liefen zu den ersten Tönen von „A Head Full Of Dreams“ Teile aus Charlie Chaplins rede von „The Great Dictator. Das Ganze gibt es z.B. in diesem Video zu hören.
Dieses Zitat war und ist einer der eindrücklichsten Konzertbeginne jemals. Ich war noch nie bei einem Konzertbeginn so gerührt von einer Ansprache und es ist in dieser Zeit wichtig sich diese Zeilen genau durchzulesen:

I’m sorry, but I don’t want to be an emperor. That’s not my business. I don’t want to rule or conquer anyone. I should like to help everyone – if possible – Jew, Gentile – black man – white. We all want to help one another. Human beings are like that. We want to live by each other’s happiness – not by each other’s misery. We don’t want to hate and despise one another. In this world there is room for everyone. And the good earth is rich and can provide for everyone.

To those who can hear me, I say – do not despair. The misery that is now upon us is but the passing of greed – the bitterness of men who fear the way of human progress. The hate of men will pass, and dictators die, and the power they took from the people will return to the people.

“the Kingdom of God is within man” – not one man nor a group of men, but in all men! In you! You, the people have the power – the power to create machines. The power to create happiness! You, the people, have the power to make this life free and beautiful, to make this life a wonderful adventure.

Charlie Chaplin – The Great Dictator

Nicht die beste Stimme, aber eine Show die seines Gleichen sucht

Während sich die letzten Worte von Chaplin nochmals wiederholen kommt endlich die Band auf die Bühne und legt in einer Art und Weise los, die es ganz selten gibt: Lichteffekte, Konfetti und Feuerwerk. Hinzu kommt noch ein Chris Martin, der trotz Regen ein ansteckendes Lächeln im Gesicht hat und genau das Konzertfeeling rüber brachte was ich mir von diesem Konzert erhoffte.

Und nach dem ersten Song ist es dann auch schon so weit: Regen und  Freudentränen laufen gemeinsam meine Wangen herunter und eine Gänsehaut zieht sich über meinen ganzen Körper. „Yellow“ läuft!
Ich kann es nicht erklären, ich kann es nicht stoppen, es ist einfach dieser Song. Dieser so besondere Song, der mir so viel bedeutet <3

Nach Yellow begrüsste Chris Martin dann das Publikum und ergänzte, dass sie für dieses Wetter ja den passenden Song hätten. Ich hätte ja gewettet, dass „I’m singing in the rain“ gespielt wird, aber „Every Teardrop Is A Waterfull“ passt ja auch irgendwie zum Wasser von Oben 😉

Die Abwechslung in den ersten Songs und die komplette Show drum herum haben mich dann auch erst einmal so sehr abgelenkt, dass ich erst sehr spät merkte, dass Chris Martin eher durchwachsen singt. Dazu fand ich es auch ein bisschen komisch, dass Johny Buckland an der Gitarre dauerhaft mies gelaunt wirkte.

Nach sechs Songs liesen Coldplay dann das erste Set mit „Paradise“ in einer sehr elektrolastigen und überdrehten Lichtshow ausklingen um sich dann für drei Songs auf die B-Stage zu begeben. Alles, wirklich alles was Coldplay an diesem Abend abseits der A-Stage spielte gefiel mir nicht und auch die Stimmung im gesamten Stadion kam mir bei den Songs auf der B- und C-Stage eher schlecht vor.

Das Zweite Set begann vielversprechend mit „Clocks“ und beinhaltete auch ein Cover von David Bowies „Heroes“. Schöne Geste, dass Coldplay den Song fix in ihrer Toursetlist aufgenommen haben. Aber der Song passt gar nicht zu Coldplay.

Dafür passt „Viva La Vida“ umso mehr. Und wer diesen Song schon mal live gehört hat, der  weiss dass es DER Stadion-Song ist und das Publikum zum Ende des Songs anfängt die Trommelschläge mitzuklatschen und das bekannte „ooooooh ooh oh, ooooh ooh oh“ so lange ausklingen lässt wie möglich.
Das wurde dieses Mal aber so richtig abgewürgt. Das Publikum hätte noch lange gesungen aber Coldplay presste direkt im Anschluss „Adventure Of A Livetime“ rein. Und damit der Unmut darüber nicht zu gross wurde, gab es Riesen-Luftballons zum durch die Menge jagen.
Nach „Adventure Of A Livetime“ verlies Coldplay die A-Stage für den Wechsel zu C-Stage. Dadurch entstand eine ca. zweiminütige Pause und ihr dürft raten, was beinahe sofort angestimmt wurde. Richtig, die altbekannten „oooh’s“ aus „Viva La Vida„…

Auf der C-Stage wurde dann mit „Don’t Panic“ der Wunsch Song aus dem Instagram-Voting für Zürich gespielt. Das Besondere daran war, dass Johny Buckland auch mal wieder gesungen hatte, obwohl er das gar nicht gerne macht und kann…
Von der C-Stage ging es dann nochmal für zwei Songs zurück auf die A-Stage. Mit „A Sky Full Of Stars“ wurde nochmal ein Licht-Schauspiel abgeliefert, dass Gänsehaut erzeugt. Man glaubt gar nicht was diese Xylobands für einen tollen Effekt abgeben.

Der Letzte Song des Abends war „Up&Up“ und es gibt kaum einen besseren Song mit dem Coldplay abschließen könnte, weil es ein Song ist der nach den ersten drei Alben Coldplays klingt. Oh und vielleicht noch ein bisschen deshalb weil Noel Gallagher als zusätzlicher Gitarrist bei der Studio-Version mitwirkt.Foto 12.06.16, 22 00 12

Die komplette Setlist gibt es wie immer bei setlist.fm und auch bei Spotify

Und @Coldplay: wenn ihr wieder kommt, werde ich einen dritten Versuch wagen euch im trockenen zu erleben!

 

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